Kirchen und Kapellen

Affeier: Kapelle St. Mariae Heimsuchung

Das Altarbild wurde 1668 von Nicolao Giuliani gemalt, doch die Kapelle soll älter sein. Das Bild zeigt die Begrüssung zwischen Maria und ihrer Base Elisabeth und im Hintergrund derjenigen von Josef und Zacharias. Das Bild an der Ostwand ist ein Beweinungsbild; der von Kreuz abgenommene Jesus liegt im Schoss seiner Mutter. Dieses ist nicht signiert, wird aber von Poeschel auch als mögliches Giuliani-Bild gewertet.

Der ländliche, barocke Altaraufsatz um 1700 besteht aus zwei gewundenen Freisäulen und zwei Pilastern, vor denen die Figuren des hl. Petrus und des hl. Johannes Evangelist stehen. Das darüber gelegte Gebälk stösst schräg über die Säulen hinaus. Seitlich wird der Altar mit Akanthusranken abgeschlossen. Die Pietà auf dem neuen Sockel an der Seitenwand wird dem Schnitzer des Altars zugeschrieben.

Bis 1967 fand an Maria Heimsuchung (2. Juli) eine Bittprozession nach Affeier statt. Im Jahre 1999 führte man eine Aussenrenovation durch, die durch Einnahmen des „Piirtcheerli am Hefflifescht“ finanziert wurde. Die heutigen Glocken sind aus den Jahren 1881 und 1901.

Quellen. Jahresheft PSO 1985


Axastei: Kapelle St. Ignatius

Vielleicht handelt es sich hier, nach dem alten Grundriss und der Fensterform zu schliessen, um die älteste Kapelle auf Obersaxer Gebiet. Poeschel lässt die Möglichkeit zu, dass es sich um einen Sakralbau aus dem ersten Jahrtausend handeln könnte. Die Nähe der Burg würde die Entstehung eher im 12. oder 13. Jh. erklären. Nur konnte der hl. Ignatius von Loyola (s. auch Seitenaltar in Egga) noch nicht Kapellen-Patron sein, denn er lebte von 1491 – 1556 und wurde 1622 heilig gesprochen.

Die einzige Glocke trägt die Jahreszahl 1707 und u. a. auch das Bild des hl. Ignatius. Ist vielleicht das bescheidene Barockaltärchen mit zwei glatten korinthischen Säulen mit Akanthuskapitellen und einfacher Altarbekrönung auch in diese Zeit zu datieren und liesse auf eine Umgestaltung oder einen Neubau schliessen? Das Ignatiusbild ist nach Poeschel anno 1942 „modern“. Am 2. Juli 1939 wurde die Kapelle durch einen herabstürzenden Felsblock stark beschädigt. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg 1948-1949 wurde sie wieder renoviert und neu geweiht. Die Neufassung des Altars besorgte 1949 Hans Bühler, Wohlen, welcher das heutige Altarbild nach einem Original des französischen Künstlers D. Maillart malte und stiftete. Es zeigt den Messe lesenden hl. Ignatius. Aussenrenovationen folgten 1953 und 1982.

Quellen: Jahresheft PSO 1990, Poeschel 1942, P. Joachim Salzgeber, Einsiedeln; G. Maissen, Acletta „Kapelle Acletta“ 1992.


Bellaua: Kapelle Johannes der Täufer

Johannes der Täufer ist einer der ersten überregional verehrten Heiligen der christlichen Kirche. Da sein Fest auf die Sommersonnenwende angesetzt wurde, wird er auch als Patron der Hirten und Herden geehrt und schützt vor Krankheit, Blitz, Feuer und Unfruchtbarkeit.

Auch in Egga wurde die Kapelle nicht nur St. Antonius, sondern auch St. Johannes geweiht. Das Baujahr der Bellauer Kapelle wird um 1730 vermutet. Bis 1901 pflegte man alljährlich eine Prozession zur St. Anna Kapelle in Truns zu machen. Dabei wurde unterwegs bei der Johannes Kapelle Messe gelesen. Das Obersaxer Landbuch gibt Zeugnis, dass 1730 betreff dieser Prozession ein Beschluss „zur besseren Teilnahme“ gefasst wurde. Ob aber der Bau der Kapelle mit diesem Jahr etwas zu tun hat ist fraglich. Ab 1901 verlegte man die Bittprozession zur eigenen St. Anna Kapelle in Valata. Die Kapelle birgt ein einfaches, nicht signiertes Altärchen, das auf seinem Bild den hl. Johannes als Bussprediger darstellt. Ausser der Gesamtrenovation von 1956/57 fanden auf Initiative von Nachbarn in Platta und Bellaua immer wieder Instandstellungsarbeiten statt, die durch Spenden gedeckt werden konnten. Die grössere Glocke wurde 1836 gegossen, die kleinere ist nicht datiert.

Quelle: Jahresheft PSO 1990


Canterdü: Kapelle St. Valentin

Die kleine Glocke trägt die Jahreszahl 1631 aber keinen Hinweis auf den Kapellenheiligen und könnte somit auch von anderswo sein. Die grössere Glocke von 1643 ist dem hl. Valentin geweiht und bringt damit den Beweis, dass die Kapelle eher vor 1643 erbaut wurde. Der ländliche Altar mit zwei glatten Säulen und aufgelöstem Segmentgiebel soll um 1670 erstellt worden sein. Sein Bild stellt die Schmerzensmutter mit ihrem toten Sohn unter dem Kreuz, weinende Frauen und St. Valentin mit behindertem Knaben dar. Es wird vermutet, dass dieses wiederholt übermalte Bild vom gleichen Maler (Nicolao Giuliani) stammt wie ein ähnliches in Affeier. Der hl. Valentin wird als Schutzpatron gegen Gicht und Fallsucht verehrt, s. Darstellung mit Knaben. Er war Rätischer Glaubensbote aus Meran-Mais, † um 457 und wird auch als Patron der Liebenden und als Stifter einer guten Ehe angesehen.

1969 fand die letzte Renovation statt. Zur Zeit wird Geld für eine erneute Renovation gesammelt.

Quelle: Jahresheft PSO 1983 und O. Wimmer, Kennzeichen und Attribute der Heiligen.


Egga: Kapelle St. Antonius von Padua

Eine kleine Vorgängerkapelle wurde 1675 von Antonio del Agosto mit Hilfe der Nachbarn gestiftet. 1716 wurde die heutige mit drei einfachen Barockaltären ausgestattete Kapelle zu Ehren des hl. Johannes des Täufers und des hl. Antonius von Padua geweiht. Sie sind als Statuen seitlich des Giebelgeschosses am Hochaltar und als Gemälde auf der bemerkenswerten Prozessionsfahne dargestellt. Das Altarbild zeigt links den lesenden Antonius und rechts Jesu Taufe im Jordan durch Johannes. Dieses Altarbild und die Deckengemälde sind von Maler Johann Jakob Rieg, die Seitenaltarbilder von „Johanes Sepp“ angefertigt worden. Der linke Seitenaltar zeigt die Missionare, die hl. Ignatius und Franz Xaver, der rechte stellt den Papst Silvester und den hl. Antonius, Abt dar. Antonius von Padua ist Patron der Liebenden, der Eheleute, der Gebärenden und wird angerufen zum Auffinden verlorener Dinge. Antonius, Abt soll helfen gegen Fieber, teuflische Mächte und bei Viehseuchen (Antoniussegen). Auf der Glocke von 1712, vermutlich von der ersten Kapelle, finden wir den Satz: „Das heilige Kreuz sei mir Licht und nicht der Drache sei mein Führer“. Der Turm und die Sakristei wurden, nach Fassadenverputz hinter Turm zu schliessen, später angebaut, vielleicht bei der Anschaffung der zweiten Glocke anno 1806. Die Kapelle in Egga ist die grösste in Obersaxen, die einzige mit drei Altären und Chorstühlen. Man wollte hier im 18. Jh. eine Kaplanei errichten, was aus finanziellen und anderen Gründen nicht bewilligt wurde. St. Martin erhielt den Vorzug.

Nachdem die Kapelle vorher entfeuchtet worden war, wurde sie 2001/02 innen renoviert, d.h. verputzt. Die Altartische und –sockel wurden ausgebessert, der Holzboden unter den Bänken neu erstellt und im Chor und Gang wurden Valserplatten verlegt. Bis 1973 fand am zweiten Bitttag eine Prozession von Meierhof nach Egga statt. Am St. Antonstag (13. Juni) wurde bis 1968 eine Bittprozession hierher durchgeführt. Heute befinden sich zwei Glocken im Turm. Die kleine von 1712 läutet noch, diejenige aus dem Jahre 1806 wurde 1960 ersetzt und trägt die Aufschrift: „Hl. Maria bitte für uns“.

Quellen: Jahresheft PSO 1998 (lateinische Texte wurden alle durch Lateinspezialist Prof. Pater H.P. Betschart transkribiert und übersetzt).


Flond: Evangelische Kirche

Kirchlich zählte Flond im Mittelalter zusammen mit Ilanz, Luven und Strada zur Pfarrei St. Martin. Nach den Ilanzer Reformationsgesprächen traten diese Gemeinden 1526 geschlossen zum reformierten Glauben über. Die vollständige kirchliche Trennung von St. Martin erfolgte 1731, nachdem der Ort seit 1714 über eine Kirche und einen eigenen Pfarrer verfügte.

Flond besass der Überlieferung zufolge ursprünglich nur eine Kapelle im Ort. Die Kirche wurde 1713/14 durch Baumeister Lorenz aus Schnaus als Filiale von St. Martin errichtet. Der Renovierung von 1891 folgten 1934 weitere Sanierungsmassnahmen, die auch eine Erhöhung des Turmes umfassten. Das monumentale Wandfresko des Kunstmalers Leonhard Meisser (1902-1977) aus Chur stammt ebenfalls aus dieser Zeit. Letzte Restaurierungen erfolgten 1977 und 1991.


Meierhof: Pfarrkirche St. Peter und Paul

Im Reichsguturbar von 831 ist bereits ein Benefizium, eine Kirche in Obersaxen erwähnt. Die erste Kirche war demzufolge eine karolingische, die dann um 1200 von einer romanischen abgelöst wurde. Der romanische Turm, im obern Teil später abgeändert, steht heute noch. Im 15. Jh. wurde eine gotische Kirche gebaut, deren Innenausstattung immer wieder Anpassungen erfuhr. Der Hochaltar wurde vermutlich von der romanischen Vorgängerkirche übernommen und laut Weiheurkunden immer wieder angepasst oder umgebaut. Neu erstellt wurden die gotischen Seitenaltäre von Strigel, Memmingen (einer steht heute in der Kapelle St. Georg). 1578 war der hl. Petrus noch alleiniger Kirchenpatron, 1643 spricht ein Visitationsbericht erstmals von der Pfarrkirche St. Peter und Paul. Diese Urkunde bestätigt, dass der prächtige Hochaltar noch vorhanden ist, die neuen Seitenaltäre aber in Stuck erstellt sind.

Beim schrecklichen Dorfbrand von 1740 brannte auch die Kirche aus. Das gotische Chorgewölbe hatte stand gehalten. Von der Kirchenausstattung konnte die romanische Muttergottes vom Hochaltar, die sich heute an der nördlichen Chorbogenwand befindet und zwei freistehende, signierte, barocke Leuchterengel gerettet werden.

Die Jahreszahl 1741 im Glockenstuhl erinnert noch an die Wiederherstellung von Turm und Schiff und den Anbau einer Seitenkapelle. Für die Anfertigung von drei Barockaltären mit Rokokoformen waren die Altarbauer Anton Sigrist aus dem Wallis und sein Schüler Placi Schmed aus Disentis verantwortlich. Die Kanzel dazu schuf Schmed. Gefasst und vergoldet wurde alles von Jakob Soliva. Die Kirche wurde 1904 abgetragen, da sie viel zu klein und renovationsbedürftig war. 1905 wurde der heutige Kirchenbau mit den drei von Theodor Schnell, Ravensburg im Jugendstil geschaffenen Altären, Kanzel und Kommunionbank eingeweiht. Ein Jahr später wurden die alten drei Barockaltäre und die Kanzel nach Schindellegi, SZ verkauft, wo sie restauriert und in die neu erstellte Kirche eingesetzt wurden. 1915 konnte man bei einem erneuten Dorfbrand die Kirche schützen, doch die Turmspitze hatte Schaden genommen.

1972 wurden bei einer Renovation und Anpassung an die moderne Zeit die Seitenaltäre und die Kanzel entfernt und die Schiffsbemalung übertüncht. Die Orgel wurde ausgewechselt, der Beichtstuhl nach hinten und der Taufstein nach vorne versetzt. Die fünf Glocken im romanischen Turm tragen die Jahreszahlen 1740, 1743, 2 x 1852 und 1965.

Quelle: Jahresheft PSO 1995 nach allen bekannten Dokumenten.


Miraniga: Kapelle St. Sebastian

Nach Nüscheler wurde die Kapelle 1668 gebaut, und 1705 liessen die Nachbarn “mit Hilfe dieser Cabelen” die Wandmalereien von Johann Jakob Rieg (s. Platenga) anbringen. Im Chor sind es die Dreifaltigkeit mit typischer Rieg-Weltkugel, hl. Margaretha, Barbara und Ursula im Chorbogen 14 Rosenkranzgeheimnisse, dazu das der Verkündigung an der Bogenaussenwand zu Seiten Gott Vaters. Im Schiff begegnen wir den 12 Aposteln, dem hl. Georg zu Pferd und hinten den Drei Königen sowie Erzengel Michael, der hl. Katharina, Agnes und Christina.

Von 1767 bis 1961 fand an St. Michael (29. September) eine Bittprozession nach Miraniga statt. Der Barockaltar mit Rokokoverzierungen ist bemerkenswert. Dessen signiertes Gemälde wurde von Pater Fridolin Eggert, Disentis, einem väterlichen Freund von Rieg, 1688 erstellt. Es zeigt den an Baum gefesselten, mit Pfeilen beschossenen Pestheiligen Sebastian (Ende 3. Jh.) und den Gegenreformator, Kardinal Karl Borromäus (1538–1584), der auch als Tröster von Pestkranken verehrt wurde. Der Altaraufsatz ist jünger als das Gemälde und dürfte erst Mitte des 18. Jh. entstanden sein. Gewisse Stil-Parallelen lassen an Plazi Schmed denken, der auch in der Pfarrkirche und in St. Martin wirkte. Die gedrehten Säulen mit Akathuskapitell, das geschweifte Gebälk, die mit Rocaillen umgebene Giebelkartusche mit Madonnenrelief sowie links die Statue der hl. Katharina, rechts des hl. Georg lassen den Betrachter staunen.

1966 wurde das Innere der Kapelle mit Hilfe von Bund und Kanton restauriert und unter Denkmalschutz gestellt. 1998 wurde durch Wohltäter und Spender eine sanfte Aussenrenovation des Daches und der Mauer möglich gemacht. Die beiden Glocken stammen von 1669 und 1743.

Quellen: Jahresheft PSO 1983 und Dr. A. von Schulthess über Maler Rieg, 1994.


Misanenga: Kapelle St. Jakob d. Ä.

Ortspfarrer Arpagaus vermerkte 1747 in etwa: „Die Kapelle des Apostels Jakobus d. Ä. ist 1617 von Christ. Bringatzi, Statthalter Bringatzi, Jöry und Peter Kuoni, Hans und Martin Brunold gestiftet worden.“ Diese Namen wurden nach 1886 etwas abgeändert innen über der Türe angeschrieben. Nachfahren der Kuoni aus Misanenga stifteten 1684 auch einen Viertel der Pfründe zur Gründung der Meierhofer Kaplanei.

Der Apostel Jakobus der Ältere war der Bruder des Apostels Johannes. Seine Gebeine kamen nach der Eroberung Jerusalems im 7. Jh. nach Santiago de Compostela in Nordspanien. Der Jakobs-Pilgerweg dorthin hat wieder sehr an Attraktivität gewonnen. Der hl. Jakob wird oft mit Compostela-Muscheln, Wasserflasche und Pilgerstab dargestellt, ist u. a. also der Schutzheilige für Pilger und Wanderer. Hier auf dem Altarbild ist er auch an diesen Zeichen zu erkennen. Neben ihm steht sein Bruder Johannes Ev. und gegenüber der hl. Petrus. Alle blicken in Verehrung zur auf Wolken schwebenden Mutergottes mit Jesuskind empor. Das Bild ist signiert von Johannes Christoph Guser(er) Ma(ler) 1679. Der einfache Altaraufbau zeigt zwei Freisäulen, Gebälkfries und darüber aufgelöste Verdachung.

Bis um 1905 fand alljährlich am Jakobstag (25. Juli) eine Prozession nach Misanenga statt. Die Kapelle wurde 1952, 1981/82 renoviert. Die zwei Glocken wurden 1617 gegossen.

Quellen: Jahresheft PSO 1990, 1996; T. Abele. Die wohltätige Familie Kuoni von Misanenga in BM 1971; O. Wimmer


Platenga: Kapelle Heilige Drei Könige

Nach Nüscheler stand die erste Kapelle westlich des Weilers. Sie war, laut Altarinschrift an der heutigen Kapellenrückwand, von „Christ Jos und Baldasar Allig“ anno 1593 gebaut worden. 1695 wurde sie, wahrscheinlich wegen Rutschgefahr, an den jetzigen Standort verlegt und mit einem neuen Altar ausgestattet, der ein „Dreikönigsbild“ zeigt, das von gewundenen Säulen und Weinranken flankiert wird. 1704 entstanden die bemerkenswerten, volkstümlichen Wandmalereien von Johann Jakob Rieg aus Chur, Ehrenbürger von Somvix (Sumvitg) und dort wohnhaft.

Der hochgeschätzte Künstler unserer Zeit, Alois Carigiet, der von 1939–1952 in Platenga wohnte und sich dort ein originelles Heim gebaut hatte, griff 1942/43 zum Pinsel und restaurierte die Malereien auf eigene Kosten. Gewiss, die Dreikönigskapelle ist keine weltberühmte Sehenswürdigkeit und will es auch nicht sein. Aber die ungewöhnlich fachgerecht erneuerten Wandmalereien geben Zeugnis und lassen uns staunen über die Zeit und jene Menschen, die noch nicht lesen konnten, sondern froh und dankbar waren um jedes Bild, das ihnen die christliche Lehre näher brachte. Im Chor finden wir die hl. Anna selbdritt, Ursula und Joseph sowie die für Rieg typischen musizierenden Engel, am Gewölbe die Evangelisten, im Chorbogen die Rosenkranzgeheimnisse, an der Bogenaussenseite die Verkündigung und die Ordensgründer Ignatius und Franziskus, an den Schiffswänden die 12 Apostel mit ihren Attributen und hinten die Bischöfe Martin und Adalbert, auf der andern Seite Maria Magdalena und Katharina. Die grössere der zwei Glocken ist von 1704, die andere ist ohne Inschrift.

Quellen: Jahresheft PSO 1984 und Dr. A. von Schulthess; Würdigung des Bündner Wandermalers Johann Jakob Rieg (1678–1731?) von Chur und Somvix, 1994.


Schnaggabial: Kapelle St. Georg

Eine archäologische Grabung anno 1990 brachte keine Anhaltspunkte für eine Vorgängerkapelle. Erbaut wurde die Kapelle wohl Anfang des 17. Jh. Das lässt sich daraus ableiten, dass der Flügelaltar schon 1643 nicht mehr in der Pfarrkirche stand (s. Pfarrkirche). Poeschel sah in der Kapelle noch „über dem Durchschnitt“ liegende Fragmente von Wandmalereien, darunter den Kapellenpatron, den römischen Offizier Georg, Märtyrer um 303, einen der 14 Nothelfer und dazu die Jahreszahl 1651. Die Malereien konnten nicht mehr erhalten werden.

Sehr wertvoll ist der spätgotische Flügelaltar, der in der Weiheurkunde von 1473 für die Pfarrkirche beschrieben wird und aus der Werkstatt Strigel, Memmingen, stammt. Die Skulpturen der Mutter Maria mit Kind zwischen der hl. Katharina mit Schwert und Magdalena mit Salbbüchse wurden von Ivo Strigel geschaffen, die Bilder auf den Flügeln werden als Frühwerk seinem Sohn oder Neffen Bernhard zugeschrieben. Die Flügel zeigen auf der Innenseite die hl. Barbara mit Kelch und Margaretha mit Stabkreuz und Drache. Die Aussenseiten sind bemalt mit dem hl. Johannes Evangelist mit Giftkelch und mit Johannes dem Täufer mit Lamm Gottes.

Im Jahre 1990/91 wurde die Kapelle unter Aufsicht der Denkmalpflege innen und aussen renoviert, der Altar von unsachgemässer Übermalung freigelegt und fachmännisch restauriert. Was nicht durch Bund, Kanton, Heimatschutz und Landeskirche bezahlt wurde, konnte durch Spenden gedeckt werden. Bis 1962 fand am St. Markustag (25. April) eine Bittprozession von der Kaplaneikirche und Pfarrkirche aus zur St. Georgskapelle statt. Das gleiche wiederholte sich bis 1974 am ersten Bitttag (Feldsegen). Heute wird am Abend des Markustages eine Prozession von der Kapelle zur Pfarrkirche gehalten. Von den zwei Glocken von 1657 wurde eine 1949, die andere 1957 umgegossen. Die grössere Glocke trägt heute u. a. noch das Bild des hl. Georg. Quellen: Jahreshefte PSO 1988, 1993, 1995, 1996; Kantonale Denkmalpflege Graubünden, Spätgotische Flügelaltäre.


St. Josef: Kapelle im Zwischentobel

Laut Jahreszahl oben links auf dem heutigen Chorgesims wurde hier bereits 1461 eine Kapelle gebaut. Nach Protokoll im Pfarrarchiv entschlossen sich die Bewohner des Zwischentobels die kleine, baufällige Kapelle in St. Josef neu zu bauen und zu vergrössern. Dominico Ceresa, Roveredo erstellt 1861 mit Hilfe der Bewohner die Mauern, der Schreiner Plazi Casanova-Wallier, Pilavarda übernahm die Holzarbeiten. Seine mit schönen Ornamenten verzierten Bank-Tocken sind mit 1862 datiert. Mit Rückschluss auf die ältere Jahreszahl ist die alte Kapelle nicht ganz neu erstellt worden.

Die St. Josefskapelle ist die zweitgrösste in Obersaxen und weist eine Empore auf. Sie ist die einzige Kapelle im Zwischentobel. Der einfache Altar mit korinthischen Pilastern, dünnen gewundenen Säulen und Dreieckgiebel ist mit 1862 datiert und wurde vom Andermatter Altarbauer und Vergolder Josef Maria Regli, welcher in Obersaxen gestorben ist, geschaffen. Das nicht signierte Altarbild stellt die hl. Familie mit dem Knaben Johannes dem Täufer dar. Es entstand vermutlich Anfang des 18. Jh. und wurde wahrscheinlich von der Vorgängerkapelle übernommen.

Zu dieser Kapelle fand alljährlich bis 1968 am „Hagelfeiertag“ (26. Juni) je eine Prozession von St. Martin und Meierhof statt, um für gute Ernte ohne Gewitter und Hagelschlag zu bitten.

1970/71 wurde die Kapelle gründlich renoviert, doch ein Gewitter mit Blitzeinschlag machte 1974 eine erneute Renovation nötig. Im Jahre 2000/01 wurden die Wände innen und aussen verputzt, der Holzboden unter den Bänken wurde neu erstellt und vor dem Eingang wurden Platten gelegt. Finanziert wurde grösstenteils durch Spenden.

Von den zwei Glocken ist die grössere nicht datiert, die kleinere wurde 1844 gegossen und gehörte also bereits zur alten Kapelle.

Quellen: Jahresheft PSO 1990, 1996


St. Martin: Kaplaneikirche

1406 und 1475 ist eine Kapelle St. Martin, die dem Weiler den Namen gab, dokumentiert. Wie sie aussah ist nicht überliefert. Ab 1722 sind hier Prister ausgewiesen, und 1738 gab der Bischof die Einwilligung zur Errichtung einer Kaplanei, die noch existiert, aber seit 1975 nicht mehr besetzt ist. Kaum vorstellbar ist die Tatsache, dass z.B. das Taufespenden in St. Martin erst ab 1915 gestattet wurde!

Poeschel datiert die heutigen Altäre „um 1740“. In diesem Jahr brannte Meierhof mit der Pfarrkirche. Nach der Fertigstellung der dortigen Altäre weilte der Altarbauer Placi Schmed laut Taufbuch noch weitere Jahre in Obersaxen und gilt als Schöpfer der drei barocken Altäre (z.T. aus alten Bestandteilen) und der mit Rokoko Zierrat geschmückten Kanzel von 1770. Für 1768 ist bestätigt, dass der heutige Glockenturm neu aufgebaut und mit drei Glocken ausgestattet wurde (eine trug aber Jahrzal 1801). 1874 wurde das Schiff nach Westen verlängert und mit neuen Fenstern versehen. Vorher war der Kirche eine Vorhalle aus Holz vorgelagert. 1913 gab es drei neue Glocken.

1929/30 erfolgte eine Gesamtrenovation sowie die Bemalung an Chorbogen und Schiffsdecke. Bei der Renovation 1962 erhielt das Schiff neue Bänke, die Wandtäferung, eine neue Kirchentüre, und das Pedalharmonium wurde durch eine neue Orgel ersetzt. Bei der „sanften“ Renovation von 1997 wurde entfeuchtet und aussen und innen neu verputzt (Täfer wurde entfernt). Der Holzboden unter den Bänken wurde ersetzt, im Chor, Gang und Vorplatz wurden Valserplatten verlegt. Es gab eine neue Eingangstüre, ein Vordach, eine neue Sakristeitüre, ein neues Dach mit Blitzschutzanlage, eine Bodenheizung und eine neue Beleuchtung. Die Altäre und die Kanzel wurden gereinigt und ausgebessert. Die drei heutigen Glocken wurden 1977 geweiht und in den Turm gezogen.

Quellen: Jahreshefte PSO 1991, 1992, 1997


Surcuolm: Kirche St. Georg

Vor hundertfünfundvierzig Jahren begannen die wenigen, einfachen Leute von Surcuolm mit dem Bau der neuen Kirche. Dies geschah auf Initiative und unter Führung des originellen und wagemutigen Pfarrers Gion Bistgaun Capaul.

Nachdem er bereits in St. Ottilienberg bei Strassburg, in Lumbrein (Kapelle Maria-Hilf), sowie in Paspels sich als Restaurator und Bauherr betätigt hatte, plante er sofort nach Amtsantritt der hiesigen Pfarrei einen Kirchen-Neubau. Später erbaute Pfarrer Capaul noch die Kirche in Morissen. Dort nahm plötzlich der Tod diesem unermüdlichen Arbeiter den Kelch, den Zeichenstift und den Hammer aus der Hand. Sein Lebensbild verdient gelegentlich wieder aufgefrischt zu werden.

Beim Amtsantritt von Pfarrer Capaul in Surcuolm bestand hier eine Kapelle des hl. Georg (Ortspatron). Diese aus dem Jahre 1603 stammende Kapelle war klein, später unglücklich umgebaut und für den Gottesdienst nicht geeignet. Am 25. April 1856 (St. Marcustag) ging man daran diese Kapelle abzubrechen und für den Neubau Platz zu schaffen. Was an diesem Tage vor hundertfünfundvierzig Jahren so mutig begonnen wurde, kam durch harte Arbeit und viele Opfer zur glücklichen Vollendung. Zwei Jahre später erfolgte die feierliche Einweihung der neuen Kirche durch den Weihbischof Albert von Haller. Die letzte Renovation der Kirche von Surcuolm wurde in den Jahren 1977-1980 durch den Architekten Felix Schmid, Rapperswil, sowie den Restauratoren Ressel, Fischingen, und Joos, Andeer, durchgeführt.


Valata: Kapelle St. Anna

Sie ist die älteste, noch erhaltene Kapelle in Obersaxen und wurde nach Nüscheler, der die Notizen von Pfarrer Arpagaus kannte, um 1600 von Jakob Bleicher gestiftet. Die Kapelle steht am hohen Tal, Tobel (Valata), dort wo früher der Weg Ilanz-Obersaxen vorbei führte, war also eine Wegkapelle. Das Grundstück gehörte bis 1962 den Flondern und wurde dann gekauft.

Von 1901 bis Mitte der 50er Jahre fand an St. Anna (26. Juli) eine Bittprozession ab Pfarrkirche nach Valata statt. Bis ca. 1965 pilgerte man auch an St. Bartholomäus (24. August) in Prozessionsform hierher.

Der einfache, aber ansprechende Altaraufsatz soll um 1700 entstanden sein und weist zwei glatte Säulen, seitlich Akanthusranken und Giebel mit Heiliggeisttaube in Strahlensonne auf. Das Altarbild ist nicht signiert und datiert, soll nach Poeschel Mitte 17. Jh. gemalt worden sein. Es ist bemerkenswert, weil Maria zweimal dargestellt wird, rechts mit dem Jesuskind auf dem Arm und daneben in der Selbdrittgruppe an der Hand ihrer Mutter Anna, die Jesus auf dem Arm trägt. Dazu gesellt sich ganz rechts der Pestheilige Rochus, der auch bei anderen Epidemien angerufen wird.

1963 fand eine Gesamtrenovation statt. Im Jahr 2000 ermöglichten die Nachbarn einige Renovationen am Dach, am Türmchen, an den Glocken usw. Die Glocken tragen die Jahreszahlen 1743 und 1866.

Quelle: Jahresheft PSO 1983, Gemeindearchiv